#Serienperlen: Orange Is the New Black

 

Wenn Downton Abbey auf meiner persönlichen Hitliste erst an zehnter Stelle steht, was kommt dann vorher? Good stuff natürlich. Aber ich möchte euch nicht länger auf die Folter spannend und präsentiere Nummer #9 meiner Serienperlen: die Netflix-Serie Orange Is the New Black.

Meine Beziehung zu OITNB ist nicht ganz so unproblematisch und von bedingungsloser Liebe geprägt wie diejenige zu Downton Abbey. Wahrscheinlich liegt das daran, dass mir die Serie emotional mehr abverlangt. Einfach zurücklehnen und Hirn abschalten funktioniert mit OITNB nicht. Ich empfinde die Handlung als dynamischer und unvorhersehbarer als in vielen anderen Serien. Sie zwingt mich als Zuschauerin zur konstanten Reflexion und Neubeurteilung der Charakteren und Erzählstränge. Die Frage ist: Wie bekommt OITNB das hin?

Meiner Meinung nach liegt das an einem gut aufeinander abgestimmten Mix von tiefgründigen Figuren, einer Machart, die sich auf wohltuende Art und Weise von traditionellen narrativen Schemata abhebt, und der immer wieder spürbaren authentischen Grundlage der Geschichte.

Endlich geht es mal um Frauen!

Dass sich OITNB praktisch ausschliesslich um Frauen und um deren Freundschaften, Feindschaften und Beziehungen dreht, gefällt mir persönlich natürlich sehr. Und dass diese Frauen eine für amerikanische Verhältnisse unermessliche Vielfalt von Hautfarben, Nationalitäten, Geschlechteridentitäten, Altersgruppen und Attraktivitätsstufen repräsentieren, ebenso. Schade, dass dieses bunte Gegen-, Durch- und Miteinander nur in einer Serie existiert – und diese dazu in einem Gefängnis spielen muss.

OITNB lebt aber auch vom auf verschiedenen Ebenen gekonnt aufgebrochenen Gegensatz zwischen „Drinnen“ und „Draussen“, zwischen Zugehörigkeit und Aussenseitertum. Wer nicht im Gefängnis sitzt, ist nicht unbedingt frei. Wer in einer Beziehung steckt, fühlt sich nicht zwingend geborgen. Zusammen mit gezielt eingesetzten Rückblenden zum Background der Figuren ergibt sich so ein komplexer Mikrokosmos, in den es sich einzutauchen lohnt. Dass die Serie im Hier und Jetzt angesiedelt ist und auf einer wahren Geschichte basiert, tut ihrer Faszination ebenfalls keinen Abbruch.

Wer sollte Orange Is The New Black schauen?

Mein Fazit: OITNB kann zwar nicht mit dem Charme historischer Gebäude und Kostüme aufwarten. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Serie den Alltag in einem amerikanischen Frauengefängnis romantisiert. Aber sie besticht mit Tiefgang, unerwarteten Wendungen und unglaublich talentierten Schauspielerinnen. Die letzte Staffel habe ich mit grosser Spannung, noch grösserem Vergnügen und blanken Nerven erduldet, genossen und durchlitten.

Wen spannendes Storytelling, liebenswerte und zugleich verabscheuungswürdige Charaktere und – sowohl freundschaftliche als auch romantische – Beziehungen unter Frauen interessieren, der sollte OITNB nicht verpassen.

 

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2 Kommentare

  1. Eine sehr intelligente Serie. Zeigt viel Schmuddeliges und psychologische Brutalität (die mir in der zweiten Staffel für eine Gute-Nacht-Geschichte irgenwann zu viel wurde). Und trotzdem: eine Romantisierung der Realität. Am meisten Spass machte es mir, die wahren Geschichten und Personen hinter der Serie zu ergooglen.

    • Für Zartbesaitete gibt es den einen oder andere heavy Moment – da bin ich ganz bei dir, Sarah. Was die „wahren“ Geschichten angeht: Kommt beim Googlen was Anderes raus als beim Lesen des Buches? Würde mich interessieren.

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